NRW_Wi._Kl.9 / Umbau des ehemaligen Ackerstalls v. 1707 zum Veranstaltungssaal
Idee und Anlass:
Schloss Willebadessen wurde 1149 als Benediktinerkloster nach der Regel des Hl. Benedikt gegründet, in fruchtbarer, schöner Landschaft an fließendem Wasser. Obwohl 1810 säkularisiert, bestand das Gebäudeensemble mit Konventsgebäude, Kirche, Kreuzgang, Äbtissinnenhaus, Torbau und zahlreichen Wirtschafts- und Nebengebäuden innerhalb einer allumfassenden Immunitätsmauer unverändert weiter, bis es im späten 19. Jh. durch die Familie Freiherr von Wrede zum Schloss mit Gutsbetrieb ausgebaut wurde. Nachdem einige Wirtschaftsgebäude innerhalb der Mauer abgerissen wurden, um vor der Westfassade des nunmehrigen Schlosses eine parkartige Freifläche zu erhalten, entstand ein neuer großer Wirtschaftshof südlich des alten Klosterbezirkes an der ehemaligen Mauer, zwischen den Bachläufen und den klösterlichen Fischteichen am Übergang in die freie Landschaft, wie es die benediktinische Klosterordnung forderte.
Konzept und Architektur:
Zur Planung, das gesamte Gebäudeensemble wieder in eine angemessene Nutzung mit vorbildlicher Instandsetzung zu bringen, gehört auch der Ackerstall, der nach Lage und Größe für eine Nutzung für größere, festliche Gesellschaften, vis-a-vis des Schlosses, ideal erscheint. In Anbetracht der Attraktivität der Gesamtanlage und der parkartigen Umgebung lag die Idee nahe, den Ackerstall zu einem Festsaal für große Gesellschaften - für die es in der Region kein vergleichbares Angebot gibt - einschließlich Küche und Deele mit Bar und großem Kamin auszubauen, was ohne große Eingriffe in die denkmalgeschützte Substanz zu machen sein musste.
Der behutsame, denkmalgerechte Ausbau erfolgte unter Anleitung und Begleitung einer privaten Fachberatung für Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Burgenforschung, die beim „Bauen im Bestand“ behilflich war, so dass Maßnahmen, Material, Technik und Handwerk, im „System“ blieben, d.h. keine neuzeitlichen Methoden und Techniken angewendet wurden und so Irritationen in der historischen Bausubstanz vermieden wurden.
Verbaute Werkstoffe und Materialien, wie Lehmputz für Wände und Decken und Stampflehm im Boden, sowie das Eichenholz, das zur Erstellung des Dielenbodens und das Mobiliar Verwendung fanden, stammen aus der Region, der Lehm in großen Mengen aus der Warburger Börde, die Eiche aus dem Solling, dem Weserbergland, in dem auch die ehem. Klostergründung Willebadessen liegt. Im Detail wurden folgende Maßnahmen ergriffen:
Bodenaufbau: Wie seinerzeit üblich sind die Außenwände in einer „offenen Bauweise“ ausgeführt. Die zwischenzeitlich zubetonierte Bodenplatte im Gebäudeinneren wurde abgetragen und durch ein „offenes System“ ersetzt. Der Bodenaufbau wurde mittels einer Kapillarbrechenden Ausgleichsschicht, Wärmedämmung und einer diffusionsoffenen Estrichschicht mit Fußbodenheizung, dem heutigen Standard angepasst.
Für eine notwendige Trockenhaltung der Außen- und Innenwände wurde die Fußbodenheizung zusätzlich mit einer Schlaufenbildung, an den Eckbereichen der Wände, ausgeführt, um so gegen aufsteigende Feuchtigkeit das Gebäude dauerhaft zu schützen. Als Oberbelag ist ein Parkettbelag mit Luftschicht ausgewählt worden.
Lehmarbeiten: Alle Decken und Wände wurden in Lehmbauweise verputzt. Die Lehmbauweise wirkt unterstützend in die Feuchteregulierung des Raumes mit ein. Er absorbiert Schadstoffe, neutralisiert Gerüche und bewirkt so ein gesundes Raumklima.
Holz statt Stahl: Öffnungen in den Innenwänden wurden in Holz und nicht aus Stahl ausgeführt. Hierzu wurde massives Eichenholz aus heimischen Wäldern verwendet. Holz ist in der Lage Bewegungen des Gebäudes mitzugehen und beugt so Rissbildung vor.
Parkettarbeiten: Für den Bodenbelag des Festsaales und aller anderen Räumlichkeiten wurde Eichenholz ausgewählt.
Befensterung: Um die Anmutung historischer Stallfenster aufzunehmen sind die Öffnungen in den Außenwänden in Stahl ausgeführt. Hierzu wurden extra schlanke Stahlprofile der Fa. Otto Stumm verwendet, die den hohen denkmalpflegerischen Anforderungen gerecht werden.
- Planung/Realisierung: 2016-2019
- Leistungsphasen: 1-4
- Gewerbeeinheiten: 1
- Nutzfläche: 420qm
- Mitarbeit: J. Beckmann, S. Hartmann
- Generalunternehmer: Ch. Ernst GmbH
- Haustechnik: Gebr. Becker GmbH Co. & KG
- Energietechnik: Maxeiner Energietechnik GmbH
- Photos: Bauherr, BV Architekten